Anna Magdalena Kokits (*1988 in Wien) begann im Alter von vier Jahren Klavier zu spielen, erhielt auch einige Jahre Violinunterricht, und schloss ihr Studium im Konzertfach Klavier 2014 bei Alejandro Geberovich an der Konservatorium Wien Privatuniversität (heute Musik und Kunst Privatuniversität Wien) mit Auszeichnung ab. Es folgten vertiefende Studien im Fach Klavierkammermusik bei Avedis Kouyoumjian an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Anna Magdalena Kokits trat bereits in jungen Jahren mit Orchestern wie dem Tonkünstler Orchester Niederösterreich, den Moskauer Virtuosen und dem Qatar Philharmonic Orchestra auf und zog schon früh als Preisträgerin nationaler und internationaler Wettbewerbe Aufmerksamkeit auf sich (u. a. als Sonderpreisträgerin des Beethoven Klavierwettbewerbs Wien 2009).
Zahlreiche Konzerte führten sie wiederholt in bedeutende Konzertsäle, u. a. den Musikverein Wien, das Wiener Konzerthaus und das Concertgebouw Amsterdam.
Sie ist regelmäßig zu Gast bei Festivals wie dem Brahmsfest Mürzzuschlag, dem Carinthischen Sommer, der Styriarte, dem Quincena Musical de San Sebastián Festival, dem Musikalischen Sommer in Ostfriesland, und dem Festival St. Gallen, und ist sowohl konzertierend als auch lehrend international tätig.
Seit 2007 unterrichtet und coacht Anna Magdalena Kokits Pianist*innen sowohl in langfristiger Zusammenarbeit als auch im Rahmen von Meisterkursen und Meisterklassen, so zum Beispiel an der Internationalen Musikbegegnungsstätte Haus Marteau in Lichtenberg, Deutschland; an der Academy of Arts der University Priština, Kosovo; am Cairo Conservatoire of Music, Ägypten; an der Nairobi University und Kenyatta University, Kenia, und dem Conservatory of Music in Ho Chi Minh City, Vietnam, sowie zuletzt bei der Vienna Piano Summer School.
Die Neugier auf unbekannte oder in Vergessenheit geratene Musik inspiriert Anna Magdalena Kokits schon seit ihrer Studienzeit dazu, in ihren Konzerten auch selten Gehörtes zum Erklingen zu bringen. In ihrer Programmgestaltung stellt sie mit Vorliebe Werke des pianistischen Kernrepertoires diesen (Wieder)entdeckungen und auch zeitgenössischer Musik gegenüber. Dabei spannt sie im Konzert mit erklärenden und erzählenden Begleitworten einen Bogen über die dadurch entstehenden epochen- und stileübergreifenden Dialoge.
Neben ihrer solistischen Tätigkeit widmet sie sich mit Hingabe der Kammermusik. Bereits als Jugendliche beschäftigte sie sich intensiv mit Musik zu vier und sechs Händen sowie zwei Klavieren. 2007-2014 spielte sie im Duo mit dem Cellisten Alexander Gebert (ehem. Mitglied des Altenberg Trios, heute an der Hochschule für Musik Detmold), mit dem sie 2009-2013 jährlich zwei Konzerte im Wiener Musikverein gab, deren Fokus auf Raritäten der Literatur für Cello und Klavier lag. 2012 entstand eine gemeinsame Aufnahme der Cellosonaten der jüdisch-österreichischen Komponisten Karl Weigl, Erich Zeisl, Hans Gál und Ernst Toch.
Weitere renommierte Kammermusikpartner*innen, mit denen Anna Magdalena Kokits teils langjährige Zusammenarbeit verbindet, sind u. a. Gidon Kremer, Dimitri Ashkenazy, Eduard Brunner, Herbert Kefer (Artis Quartett), Rudolf Leopold (Wiener Streichsextett), Ingolf Turban, Christoph Koncz, Klaus Christa, Lily Francis, Alexey Stadler, Lars Wouters van den Oudenweijer und das Bennewitz Quartett.
Den Auslöser für die aktive Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik gab eine Begegnung mit Richard Dünser im Jahr 2008, in deren Folge sein Werk “The Garden of Desires” (2010) entstand, das er Anna Magdalena Kokits und Alexander Gebert widmete. Seither hat Anna Magdalena Kokits mit zahlreichen Komponist*innen zusammengearbeitet. Sie ist Widmungsträgerin mehrerer Werke und hat u. a. Musik von Tomasz Skweres, Heinz Karl Gruber, Thomas Larcher, Helmut Schmidinger, Manuela Kerer, Kurt Schwertsik, Lukas Haselböck, Christoph Renhart, René Clemencic, Valentin Silvestrov, Philippe Hersant und Vivian Fung auf- und uraufgeführt.
Im Jahr 2016 wurde Anna Magdalena Kokits vom Österreichischen Außenministerium im Rahmen des Musikförderprogramms NASOM (New Austrian Sound of Music) als Österreich vertretende Interpretin für Neue Musik erwählt.
Die Begegnung mit und Faszination von der Musik Ernst Tochs (1887-1964) resultierte in der Einspielung einer CD mit Klavierwerken des Komponisten für das Label Capriccio. Die Aufnahme beinhaltet mehrere Ersteinspielungen und ist 2017 erschienen. Sie enthält einen von der Künstlerin selbst verfassten und recherchierten Beitext. Im Rahmen dieses Aufnahmeprojekts hat sich Anna Magdalena Kokits eingehend mit der Thematik und Geschichte jüdischer Komponisten im Exil beschäftigt. Ihre Forschung zu Ernst Tochs Leben und Werk führte sie u. a. zum Nachlass des Komponisten an die UCLA (University of California, Los Angeles) und für Interviews mit Tochs Enkelsohn, Lawrence Weschler, nach New York.
Anna Magdalena Kokits betrachtet ihre internationale Konzerttätigkeit, die sie in den vergangenen Jahren nach Deutschland, Frankreich, Belgien, Großbritannien, Finnland, Norwegen, Spanien, Italien, Ungarn, Slowenien, Polen, Bulgarien, Bosnien und Herzegovina, Russland, Mexiko, Israel, Palästina, Ägypten, Kenia, Südafrika, China, Korea, Japan, Vietnam, Qatar, Kanada, in die Niederlande, die Slowakei, den Kosovo und die USA geführt hat, auch als eine Plattform zur Schaffung kulturellen und künstlerischen Austauschs. So verbindet sie ihre Konzertreisen oft mit dem Unterrichten von Meisterklassen, dem Besuch von Schulen und Universitäten sowie kulturellen Institutionen und Veranstaltungen, und dem Musizieren mit Musiker*innen der jeweiligen Länder.